Rede von Staatsministerin Grütters zur Verleihung des 8. Musikautorenpreises

MIL OSI – Source: Deutschland Bundesregierung –

Headline: Rede von Staatsministerin Grütters zur Verleihung des 8. Musikautorenpreises

Bei der Vergabe des Nachwuchspreises betonte Kulturstaatsministern Grütters, wie wichtig öffentliche Anerkennung für Musikautorinnen und – autoren seien. Künstlerische Spitzenleistungen müssten aber auch “finanziell honoriert werden, damit Künstler von ihrer Arbeit leben können”.

Genie, das ist bekanntlich “ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration”. Da geht es Komponisten und Textdichtern sicher nicht anders als dem Erfinder Thomas Alva Edison, dem diese pointierte Feststellung zugeschrieben wird. Die Entstehungsgeschichte des legendären Gitarrenriffs im Rolling Stones-Hit “I can’t get no satisfaction” ist also wohl eher untypisch:

Es überkam Keith Richards gewissermaßen, als er nachts im Hotel völlig ermüdet auf der Gitarre herum improvisierte. Er nickte dabei ein und fand beim Aufwachen – ich zitiere aus einem Buch über berühmte Songzeilen und ihre Geschichten – “ein Band mit zwei Minuten Gitarrenspiel und 40 Minuten Schnarchen”.

Wie auch immer Ihre Werke entstanden sind, liebe Musikautorinnen und Musikautoren: Die öffentliche Anerkennung für die Urheber musikalischer Geniestreiche steht meist in keinem Verhältnis zur Arbeit, die hinter dieser Leistung steckt. Den verdienten Applaus bekommen in der Regel diejenigen, die damit auf der Bühne stehen – die Musikerinnen und Musiker. Umso wichtiger ist es, die Komponisten und Textdichter aus dem Schattendasein ins Rampenlicht zu holen. Genau das gelingt der GEMA nun schon zum achten Mal mit ihrem Musikautorenpreis, für den ich auch in diesem Jahr gerne die Schirmherrschaft übernommen habe.

Nicht weniger wichtig als solche Lorbeeren ist die Freiheit, die künstlerische Spitzenleistungen überhaupt erst möglich macht. Wertschätzung dafür reicht nicht aus. Sie müssen uns auch etwas wert sein, müssen auch finanziell honoriert werden, damit Künstlerinnen und Künstler von ihrer Arbeit leben – und nicht nur knapp überleben! – können. Der Schutz geistiger Schöpfungen ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Deshalb setze ich mich unter anderem für ein modernes Urheberrecht ein, das Ihnen, den Schöpferinnen und Schöpfern musikalischer Werke, auch im digitalen Zeitalter einen fairen und angemessenen Anteil am Ertrag aus Ihrer Leistung sichert.

Von solchen Erträgen können gerade junge Künstlerinnen und Künstler oft nur träumen. Der Nachwuchspreis, den ich gleich vergeben darf, ist deshalb als einziger Preis des heutigen Abends mit 10.000 Euro dotiert: eine schöne Chance für noch nicht etablierte Musikautorinnen und Musikautoren, freier von finanziellem Druck ihren Weg zu gehen!

Nominiert ist, erstens, die Komponistin Anna Korsun: Sie wurde in der Ukraine geboren, studierte in Kiew und München und hat sich auf zahlreichen internationalen Konzerten und Festivals einen Namen gemacht.

Das Urteil der Jury, ich zitiere: “Ihre Musik schöpft aus dem Reichtum des Innern”. Anna Korsun hat einen “feinen, fast autonomen Klangkosmos geschaffen”.

Nominiert ist, zweitens, Jagoda Szmytka: Sie hat sich, so die Jury, mit “ihrem Mut und ihrem unübersehbaren Willen zum Anders-Denken als eine der interessantesten Komponistenpersönlichkeiten der jungen Generation etabliert”. Zahlreiche Auszeichnungen für die in Polen geborene und in Frankfurt am Main lebende Komponistin bestätigen das.

Nominiert ist, drittens, der Komponist Vito Žuraj, der an der Hochschule für Musik in Karlsruhe und an der Musikakademie Ljubljana unterrichtet und die traditionelle Musik seiner Heimat Slowenien in seine Kompositionen einfließen lässt. Was sagen die Juroren? “Indem er kulturelle Räume und Grenzen überschreitet, gewinnt seine Musik neue Dimensionen und macht neue Energien unmittelbar spürbar”.

Schauen wir – Trommelwirbel, Tusch! -, wie die Jury sich entschieden hat: Den Deutschen Musikautorenpreis 2016 in der Kategorie “Nachwuchsförderung” gewinnt … – Jagoda Szmytka!

Liebe Frau Szmytka, Sie haben die Tätigkeit des Komponierens einmal mit Vampirismus verglichen: Denn Komponisten seien wie Vampire einsame Wesen, eher Nachtgestalten, die ihrer Tätigkeit weitgehend im Verborgenen nachkommen.

Was für den Vampir das Blut ist, meine Damen und Herren, das ist für Jagoda Szmytka die Auseinandersetzung mit dem grundlegend Menschlichen: mit der Frage, was den Menschen zum Menschen macht, wie Identität und Zusammengehörigkeit entstehen und wie moderne Kommunikationsformen Erfahrungswelten prägen und inszenieren. Wir haben es bei unserer Gewinnerin – die neben Musiktheorie und Komposition auch Kunstgeschichte und Philosophie studiert hat – mit einer am Puls der Gegenwart experimentierenden Musikautorin zu tun, deren interdisziplinäre Musikkunst in der Philosophie und in der Medientheorie wurzelt und mit Selbstinszenierung, mehrdimensionaler Wirklichkeitserfahrung und verschiedenen Identitäten spielt. 

Jagoda Szmytka vermittelt damit auch, was im Kern – jenseits ökonomischer Verwertbarkeit – ganz allgemein den Wert künstlerischen Schaffens ausmacht: Künstlerinnen und Künstler sind Unruhestifter im besten Sinne. Sie fragen nach den Sinn und Zusammenhalt stiftenden Kräften in unserer Gesellschaft und stoßen mit dem ihnen eigenen, feinen Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen Diskussionen und Veränderungen an. Das kann auch die Musik, wie Jagoda Szmytkas Kompositionen zeigen. Denn, so haben Sie selbst, liebe Frau Szmytka, es einmal gesagt: “Klang ist nicht nur eine Angelegenheit des Ohres, sondern betrifft ebenso das Auge, den Körper, das Denken.”

 In diesem Sinne bescheren Sie uns unerhörte akustische, visuelle, körperliche und geistige Klangerlebnisse. Das verdient die Auszeichnung mit dem Deutschen Musikautorenpreis. Herzlichen Glückwunsch!

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