Rede von Dr. Friedrich Eichiner, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Finanzen, Telefonkonferenz Zwischenbericht zum 30. Juni 2016

MIL OSI – Source: BMW Group – Press Release/Statement

Headline: Rede von Dr. Friedrich Eichiner, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Finanzen, Telefonkonferenz Zwischenbericht zum 30. Juni 2016

Meine Damen und Herren,

auch von meiner Seite einen guten Morgen. Im zweiten Quartal 2016 hat
sich die gute Geschäftsentwicklung der BMW Group weiter fortgesetzt.
Mit über 605.000 ausgelieferten Automobilen der Marken BMW, MINI und
Rolls-Royce ist es das absatzstärkste Quartal aller Zeiten, mit einem
Plus von 5,7%. Auch beim Vorsteuerergebnis im Konzern wurde ein neuer
Bestwert in einem Quartal erzielt. Aufgrund der guten
Geschäftsentwicklung und des positiven Ausblicks auf die zweite
Jahreshälfte wird unsere Guidance für 2016 bestätigt.

Trotz zunehmender Volatilität in allen Weltregionen bleibt die BMW
Group hoch profitabel. Die EBIT-Marge im Automobilsegment beträgt im
zweiten Quartal 9,5%. Damit ist es das 25. Quartal in Folge, in dem
die operative Umsatzrendite innerhalb oder sogar über dem Zielkorridor
von 8-10% liegt. Daraus wird deutlich: Die Stärke der BMW Group ist
Rentabilität und Stabilität auf hohem Niveau. Damit ist das
Unternehmen in der Lage, die Mobilität von morgen aus eigener Kraft zu gestalten.

Nachhaltige Profitabilität im Kerngeschäft bildet die Basis, um
Investitionen in die Zukunft tätigen zu können. Die im Frühjahr
vorgestellte Strategie Number ONE > NEXT trägt diesem Grundsatz
Rechnung und wird derzeit Schritt für Schritt implementiert. Erste
Erfolge sind sichtbar und bestätigen unseren Weg. Wir werden weiterhin
konsequent an der Umsetzung arbeiten.

Die Strategie eines profitablen Wachstums und einer global
ausbalancierten Absatzverteilung zahlt sich für die BMW Group
weiterhin aus. Volatilitäten in einzelnen Märkten und Weltregionen
können so gut ausgeglichen werden.

Lassen Sie mich zunächst kurz auf die Absatzsituation im zweiten
Quartal eingehen. In Europa haben sich die Auslieferungen weiter
erfreulich entwickelt. Sowohl die nord- als auch die südeuropäischen
Märkte haben dazu ihren Beitrag geleistet. Auswirkungen des
Referendums in Großbritannien auf die Absatzsituation waren im zweiten
Quartal noch nicht zu spüren.

In China ist das zweite Quartal für die BMW Group ebenfalls positiv
verlaufen. Das ist unter anderem auf das stabile gesamtwirtschaftliche
Umfeld und das attraktive Modellangebot zurückzuführen. Seit Ende Mai
ist die lokal produzierte Langversion des X1 erhältlich, die in der
zweiten Jahreshälfte für weitere Impulse sorgen wird. Im
Premiumsegment des US-Automobilmarkts waren die Zulassungszahlen im
ersten Halbjahr leicht rückläufig. Unter anderem aufgrund des starken
Dollarkurses hat sich der Wettbewerb dort weiter intensiviert. Nach
der Optimierung unserer Lagerbestände erwarten wir im weiteren
Jahresverlauf eine Stabilisierung der Absatzsituation. Der Markt wird
jedoch auch im zweiten Halbjahr herausfordernd bleiben.

Das insgesamt gestiegene Absatzvolumen spiegelt sich auch im Umsatz
wider. Im ersten Halbjahr betragen die Umsatzerlöse des Konzerns 45,87
Mrd. € und liegen damit um 2,3% über dem vergleichbaren Vorjahreswert.
Bereinigt um Währungseffekte sind die Umsatzerlöse um 4,7% gestiegen.
In der Quartalsbetrachtung hat sich der Umsatz ebenfalls leicht auf
25,01 Mrd. € erhöht.

Das Vorsteuerergebnis im Konzern ist im ersten Halbjahr erstmals auf
über 5 Mrd. € gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem
soliden Zuwachs um 6,5% auf 5,17 Mrd. €. Im zweiten Quartal hat sich
das Konzern-EBT um 8,4% auf 2,80 Mrd. € erhöht. Die EBT-Marge im
Konzern beträgt im Quartal 11,2% und befindet sich damit weiterhin auf
einem sehr hohen Niveau.

Mit gezielten Investitionen sichert die BMW Group ihre zukünftige
Wettbewerbsfähigkeit. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen rund 1,04
Mrd. € in Anlagen und Produkte investiert. Im Vorjahr waren die
Investitionen bedingt durch den Anlauf neuer Modelle höher.

Die Investitionsquote liegt in den ersten sechs Monaten bei 2,3%. Im
zweiten Halbjahr erwarten wir anlaufbedingt und wie saisonal üblich
höhere Investitionen. Wie erwähnt werden auch Vorleistungen für
Strategieprojekte vor allem in der zweiten Jahreshälfte anfallen. Für
das Gesamtjahr gehen wir daher weiterhin von einer Investitionsquote
auf Vorjahresniveau aus, die wie geplant unterhalb des Zielwerts von
5% liegen wird.

Im ersten Halbjahr 2016 betragen die Aufwendungen für Forschung und
Entwicklung nach HGB 2,10 Mrd. € und liegen damit auf dem Niveau des
Vorjahres. Die F&E-Tätigkeit konzentrierte sich dabei vor allem
auf die Entwicklung neuer Fahrzeugprojekte und -architekturen. Weitere
Schwerpunkte bildeten die Weiterentwicklung der Connected Drive
Angebote sowie neue Fahrerassistenzsysteme und Investitionen in
alternative Antriebstechnologien.

Die Forschungs- und Entwicklungsquote liegt im ersten Halbjahr bei
4,6% und damit anlauf- und saisonal bedingt leicht unter dem
langfristigen Zielwert von 5-5,5%. Im Gesamtjahr rechnen wir weiterhin
mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote auf Vorjahresniveau. Zum
30. Juni 2016 verfügt die BMW Group über eine Liquidität von 12,63
Mrd. €. Damit ist der Konzern weiterhin finanziell gut ausgestattet.

Nun zur Ertragslage in den einzelnen Segmenten, zunächst zum
Automobilsegment. Im ersten Halbjahr konnten die Auslieferungen um
5,8% auf über 1,16 Mio. Fahrzeuge der Marken BMW, MINI und Rolls-Royce
gesteigert werden. Mit dem Absatzwachstum geht auch ein Zuwachs bei
den Umsatzerlösen einher. Sie belaufen sich im ersten Halbjahr auf
41,69 Mrd. € und liegen damit um 2,8% leicht über dem Vorjahreswert.
Bereinigt um Wechselkurseffekte sind sie um 5,2% gestiegen.

Im zweiten Quartal konnten die Umsatzerlöse im Segment um 5,6% auf
22,87 Mrd. € erhöht werden. Währungseffekte haben sich im Quartal
dämpfend auf den Umsatzanstieg ausgewirkt. Im ersten Halbjahr ist das
EBIT im Segment Automobile auf 3,94 Mrd. € gestiegen. Das entspricht
einem Zuwachs von 9,1% im Vergleich zum Vorjahr. Im Quartal legte das
EBIT deutlich auf über 2,18 Mrd. € zu.

Die EBIT-Marge liegt wie erwähnt in der oberen Hälfte des
Zielkorridors von 8-10%. Sie beträgt sowohl im Halbjahr als auch im
zweiten Quartal 9,5% vom Umsatz. Im Ergebnis macht sich vor allem das
höhere Absatzvolumen positiv bemerkbar. Die BMW Group investiert
weiterhin in Zukunftsthemen wie das automatisierte Fahren sowie
Mobilitätsdienstleistungen und stellt hierfür qualifiziertes
Fachpersonal ein. Im ersten Halbjahr hat sich die Belegschaft der BMW
Group um 3,4% auf nunmehr 123.597 Mitarbeiter erhöht.

Höhere Personalaufwendungen wirken sich dementsprechend dämpfend auf
das Ergebnis aus. Das Preisumfeld auf den weltweiten Automobilmärkten
bleibt herausfordernd. Vor allem in den USA zeigt sich der Wettbewerb
sehr intensiv. Die BMW Group setzt dabei weiterhin klar auf
nachhaltiges und profitables Wachstum.

Das Finanzergebnis im Segment Automobile hat sich im ersten Halbjahr
positiv entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr ist es um 205 Mio. €
besser ausgefallen, im Wesentlichen aufgrund von positiven Effekten
aus der Marktbewertung von Rohstoffderivaten. Der Ergebnisbeitrag des
chinesischen Joint Ventures BBA im At-equity-Ergebnis beträgt im
gleichen Zeitraum 241 Mio. € und liegt anlaufbedingt um 43 Mio. €
unter Vorjahr. Abschließend noch zur Finanzlage des Segments. Der Free
Cashflow beträgt zum Ende des zweiten Quartals 2,52 Mrd. € und liegt
damit auf Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr erwarten wir weiterhin
einen Free Cashflow, der über dem Zielwert von 3 Mrd. € liegen wird.
Das Nettofinanzvermögen im Segment Automobile beläuft sich zum 30.
Juni auf 16,49 Mrd. €.

Ich komme nun zum Segment Finanzdienstleistungen. Das erste Halbjahr
2016 ist für das Segment erfreulich verlaufen. Insgesamt konnten über
874.000 Neuverträge mit Endkunden im Finanzierungs- und
Leasinggeschäft abgeschlossen werden. Das entspricht einem soliden
Anstieg von 9,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das
Neugeschäftsvolumen legte im gleichen Zeitraum um 7,0% auf 26,35 Mrd.
€ zu. Die positive Entwicklung des Neugeschäfts spiegelt sich auch im
Vertragsbestand wider. Zum 30. Juni betreute BMW Group Financial
Services knapp 4,5 Mio. Verträge mit Endkunden, 8,3% mehr als im
Vorjahr. Dabei haben sowohl das Leasing- als auch das
Finanzierungsgeschäft solide zugelegt.

Die höchste Zuwachsrate zeigte wieder die Region Asien/Pazifik, in
der der Vertragsbestand um 17,4% erhöht werden konnte. Die Regionen
Europa/Mittlerer Osten/Afrika, Amerika sowie die EU Bank verzeichneten
jeweils solide Zuwächse. Die Penetrationsrate, also der Anteil von BMW
Group Neufahrzeugen, die durch das Segment Finanzdienstleistungen
verleast oder finanziert wurden, lag im ersten Halbjahr bei 47,4%. Das
entspricht einem Anstieg um 2,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Die Nachfrage nach Finanzdienstleistungsprodukten entwickelt sich
weiter dynamisch. BMW Group Financial Services strebt dabei ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen Leasing und Finanzierung an. Aufgrund
der positiven Geschäftsentwicklung ist das Vorsteuerergebnis im ersten
Halbjahr leicht auf 1,07 Mrd. € gestiegen. Im zweiten Quartal liegt es
bei 503 Mio. €.

Das Preisumfeld auf den internationalen Gebrauchtwagenmärkten ist im
zweiten Quartal weitgehend konstant geblieben. Die Kreditverlustquote
bleibt mit 0,29% im ersten Halbjahr auf einem sehr niedrigen Niveau.
Das Segment Finanzdienstleistungen betreibt ein vorausschauendes
Risikomanagement und hat in adäquatem Umfang Vorsorge getroffen. Wir
erwarten auch im weiteren Jahresverlauf eine positive
Geschäftsentwicklung im Segment.

Ich komme nun zum Segment Motorräder. BMW Motorrad konnte zum vierten
Mal in Folge beim Halbjahresabsatz einen Rekordwert erzielen. Erstmals
wurden in diesem Zeitraum über 80.000 Zweiräder ausgeliefert. Starke
Wachstumsimpulse kamen vor allem aus den europäischen Märkten.
Auch in Asien und insbesondere China war eine dynamische
Absatzentwicklung zu verzeichnen.

Unangefochten an der Spitze der Verkaufsrangliste steht die beliebte
Reiseenduro R 1200 GS, die über 14.000 Mal ausgeliefert wurde. Auch
ihr Schwestermodell R 1200 GS Adventure bleibt sehr erfolgreich. Die
Verkaufszahlen der R NineT Roadster liegen weiterhin über den
Erwartungen. Im Segment Motorräder sind im ersten Halbjahr 2016
Umsatzerlöse in Höhe von 1,20 Mrd. € erzielt worden. Das EBIT beläuft
sich im gleichen Zeitraum auf 192 Mio. €. Der Rückgang im Vergleich
zum Rekordwert aus dem Vorjahr ist im Wesentlichen auf höhere Kosten
für Strategieprojekte zurückzuführen.

Im zweiten Halbjahr erwarten wir weitere Absatzimpulse von
strategisch wichtigen neuen Modellen wie der G 310 R, mit der BMW
Motorrad in das Segment unter 500 Kubikzentimeter vorstößt. Auch die
R NineT Scrambler findet bereits vor ihrer Markteinführung sehr
positive Resonanz in der Öffentlichkeit. Im zweiten Halbjahr wird,
getragen von der jungen und attraktiven Modellpalette, eine weiterhin
positive Geschäftsentwicklung im Segment Motorräder erwartet.

Meine Damen und Herren, nun zum Ausblick für die zweite Jahreshälfte.
Profitables Wachstum steht im Zentrum der Strategie
Number ONE > NEXT. Wir steuern das Unternehmen auf der Grundlage
der wichtigsten Leistungsindikatoren und der zu Jahresanfang gegebenen
Guidance. Dabei wird vorausgesetzt, dass sich die wirtschaftlichen und
politischen Rahmenbedingungen nicht wesentlich verschlechtern.

Vorleistungen für Zukunftsprojekte und Maßnahmen zur Umsetzung der
Strategie Number ONE > NEXT werden das Ergebnis im weiteren
Jahresverlauf stärker als im ersten Halbjahr belasten. Dämpfend werden
sich zudem höhere Personalkosten aufgrund der Tariferhöhung in
Deutschland zum 1. Juli auswirken.

Bedingt durch Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren politischen
Entwicklung weltweit wird das Marktumfeld voraussichtlich etwas
verhaltener sein. An den anspruchsvollen Jahreszielen für 2016 hält
das Unternehmen weiterhin fest.
Die BMW Group geht für das Gesamtjahr von einem leichten Anstieg
des Vorsteuerergebnisses im Vergleich zum Vorjahr aus.
Bei Absatz und Umsatzerlösen im Segment Automobile werden leichte
Zuwächse erwartet.
Im Automobilsegment streben wir weiterhin eine EBIT-Marge im
Zielkorridor von 8-10% an.
Die Auslieferungen von BMW Motorrädern in Europa, Lateinamerika
und Asien haben sich in der ersten Jahreshälfte besser entwickelt
als erwartet. Daher rechnen wir nun für das Gesamtjahr 2016 mit
einer soliden Absatzsteigerung.
Im Segment Finanzdienstleistungen erwarten wir eine
Eigenkapitalrendite auf Vorjahresniveau und damit über dem Zielwert
von mindestens 18%.
 Abhängig von der weiteren Entwicklung kann der tatsächliche
Geschäftsverlauf von den aktuellen Erwartungen abweichen.
Die BMW Group blickt zuversichtlich auf die zweite Jahreshälfte. Dank
der Strategie einer global ausgewogenen Absatzverteilung ist das
Unternehmen breit aufgestellt.

Die gute Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate zeigt einmal
mehr, was das Unternehmen auszeichnet: Stabilität, hohe Profitabilität
und Nachhaltigkeit.

Diese Leistungskraft verschafft der BMW Group den finanziellen
Spielraum, um neue Geschäftsfelder zu erschließen und Innovationen
voranzutreiben. Damit sichern wir unsere zukünftige
Wettbewerbsfähigkeit und bleiben langfristig erfolgreich.

Vielen Dank.