Steife Brise für die Steckdose

MIL OSI – Source: Volkswagen Stiftung – Press Release/Statement

Headline: Steife Brise für die Steckdose

Durch die im Zentrum für Tragstrukturen möglichen Tests unter realitätsnahen Bedingungen will das Fraunhofer IWES mit seinen Projekten die Zeit bis zur Anwendungsreife von Tragstrukturdesigns deutlich verkürzen. “Gerade für Offshore-Windkraftanlagen lassen sich im Testzentrum viele entscheidende Fragen rund um die Stabilität und Haltbarkeit der zahlreichen Komponenten bearbeiten”, sagt Dr.-Ing. Maik Wefer. Der Leiter des Bereichs Strukturkomponenten beim Fraunhofer IWES hofft auf Auftraggeber aus der Industrie und von der öffentlichen Hand. Aktuell untersuchen Forscher im Laborversuch unter verschiedenen, künstlich induzierten Bedingungen im Zeitrafferverlauf insbesondere die Beanspruchung von Tragstrukturen aus den Materialien Stahl, Guss, Beton sowie aus Hybridmaterialien. Ziel ist es, Schäden verursachende Prozesse oder Gegebenheiten auch in der Realität frühzeitig zu erkennen und Tragstrukturen weiter zu optimieren.
Im Wesentlichen sind es drei große zentrale Herausforderungen, die es bei Offshore-Windkraft zu bewältigen gilt: die sichere und wirtschaftliche Verankerung der Anlage im Meeresboden, umweltschonende Installationstechniken sowie eine möglichst genaue Vorhersage der Lebensdauer. Wie wichtig die Suche nach richtigen Antworten ist, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Anlagen nicht nur ein hoher Wert an sich sind, sondern eben auch jede einzelne Wartung und Reparatur einer solchen Großanlage auf hoher See äußerst kostspielig ist.
“Gerade der Einsatz von Anlagen in großer Wassertiefe erfordert für zahlreiche Fragen zuverlässige Lösungen auf aktuellem technischen Niveau”, fasst Uwe Beckmeyer, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, zusammen. Sein Ministerium hat allein 17,8 Millionen Euro für die Errichtung des Testzentrums bereitgestellt. Dort hält man insbesondere die Erprobung alternativer Materialien und neuer Bauverfahrenstechniken für wegweisend. “Die neue Großeinrichtung kann mit ihren vielfältigen Möglichkeiten Herstellern, Projektierern und Betreibern wertvolle Hinweise liefern”, sagt Beckmeyer. All das ermögliche es, die Kosten der Windenergienutzung zu senken und dabei zugleich umweltschonend und nachhaltig zu agieren als auch die Verfügbarkeit der Anlagen zu erhöhen, führt er weiter aus. Und das wiederum befördere eine erfolgreiche Energiewende. “Von einem raschen Forschung-Praxis-Transfer profitiert zudem der Wirtschaftsstandort Deutschland!”
Das neue Testzentrum für Tragstrukturen in Hannover-Marienwerder kann zweifelsohne einen wichtigen Beitrag leisten, die Windenergieforschung hierzulande noch weiter voranzubringen. Umso mehr, als es Teil des übergreifenden Verbunds “ForWind” ist. ForWind bündelt die Kompetenzen auf dem Gebiet der Windenergieforschung der Universitäten Hannover, Oldenburg und Bremen sowie des Fraunhofer IWES und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Gegründet wurde die vereinte Windenergieforschung im Jahr 2003. Da seinerzeit auch die Politik verstanden hatte, dass sich durch die längst anrollende Energiewende die ganze Prozesskette der Energieversorgung immer schneller neu justierte, gelang es, die unzweifelhaft vorhandene wissenschaftliche Expertise auch finanziell zu unterfüttern. Und so wurde ForWind seitdem – einschließlich erster vorbereitender Arbeiten – aus dem “Niedersächsischen Vorab” bis heute, also Ende 2015 mit rund 20 Millionen Euro gefördert.
Der Verbund ist als einziges Forschungszentrum in verschiedene wissenschaftliche Begleitvorhaben aller drei bisher installierten deutschen Offshore-Windparks eingebunden. “Wir untersuchen zum Beispiel, wie sich die Trägerstruktur der Windräder verbessern lässt”, erklärt Stephan Barth, Geschäftsführer von ForWind. Dabei gehe es um deren sichere Verankerung im Boden, eine längere Lebensdauer der Rotoren oder um günstigere Produktionskosten. Die Forscher tüfteln unter anderem an einer neuen Generation von Rotorblättern. Ziel ist es, dass Windenergieanlagen möglichst effizient und geräuscharm arbeiten und letztlich ein optimales Zusammenspiel aller Windräder in einem Windpark erreicht wird.
Im Blick des Forschungsverbunds “ForWind”: die gesamte Prozesskette der Energieversorgung
Die Forschungsallianz leiste zweifelsohne weit über die Grenzen des Landes hinaus einen herausragenden Beitrag zum Gelingen der Energiewende, freute sich Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic, als ForWind unlängst mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis 2014 ausgezeichnet wurde. Der Jubel war groß. Denn mit 50.000 Euro prämiert wurde eine stabile Zusammenarbeit von Energieforschern, die seit mehr als einem Jahrzehnt ausgezeichnet funktioniert und die reichlich Früchte getragen hat.
Mit der Entscheidung würdigten die Wissenschaftsressorts der norddeutschen Länder die “vorbildliche institutionenübergreifende und interregionale Zusammenarbeit” der Beteiligten, hieß es anlässlich der Preisübergabe Ende November 2014 im Alten Rathaus Hannover. Immerhin vereinigt ForWind die Aktivitäten von dreißig in der Windenergieforschung engagierten Mitgliedsinstituten und Gruppen mit ihrer in Summe breit gespreizten Expertise aus den Ingenieur-, Naturund Wirtschaftswissenschaften sowie der Informatik – verteilt über die Standorte in Bremen, Hannover und Oldenburg. Das Netz verfügt über weltweit einmalige Forschungsinfrastrukturen.