Der Präsident und der Stifter

MIL OSI – Source: Koerber Stiftung – Press Release/Statement

Headline: Der Präsident und der Stifter

Meldung vom Mittwoch, 7. September 2016

Ob sich der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel über das Porträt gefreut hat, das Kurt Körber vom ihm einst malte, ist nicht überliefert. Aber Kurt Körber hatte einen gewissen Ehrgeiz darin entwickelt, Bundespräsidenten auf die Leinwand zu bannen. Das geschah auch mit Walter Scheel, im feinen Seidenschal.
Begonnen hatte diese Maltradition Ende der Sechziger, als Körber mehrmals in das Haus des Bundespräsidenten Gustav Heineman kam, um ihn zu porträtieren. Dabei unterhielten sie sich über Heinemanns Wunsch, die freiheitlich-demokratischen Traditionen Deutschlands stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Idee für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten war geboren.
Als Nachfolger Heinemanns rief auch Walter Scheel während seiner Amtszeit die Schuljugend regelmäßig zu diesem Wettbewerb auf. Die Themen der Jahre 1977 bis 79 drehten sich um die Sozialgeschichte des Alltags. Die Schwerpunkte waren Arbeit, Wohnen und Freizeit. »Erforschen Sie zunächst die historischen Fakten«, schrieb Scheel damals. »Wie man diese Fakten bewertet, hängt hauptsächlich von dem Wertesystem ab, das für den einzelnen verbindlich ist. Ich rate Ihnen deshalb, die Fakten von den Bewertungen zu trennen. Und ich rate Ihnen, auch wenn sie andere Grundüberzeugungen haben, die Bewertung anderer Denkrichtungen ernst zu nehmen. Man lernt am besten von denen, die anderer Auffassung sind als man selbst.« Und, so Scheel weiter: »Sie lernen aus der Geschichte, wie die gar nicht so einfache Aufgabe zu lösen ist, ein Demokrat zu sein.«