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»Alles Schlimme ist mit uns gemacht worden«

By   /   June 13, 2017  /   Comments Off on »Alles Schlimme ist mit uns gemacht worden«

MIL OSI – Source: Koerber Stiftung – Press Release/Statement

Headline: »Alles Schlimme ist mit uns gemacht worden«

Neben den vielen engagierten Institutionen seien es vor allem auch Persönlichkeiten, die den Hamburger »Tagen des Exils« ihre Bedeutung verliehen, begrüßte Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, die Gäste der Eröffnungsveranstaltung im KörberForum.
Mit Nadia Murad, saß eine jener Persönlichkeiten auf dem Podium. Sie überlebte 2014 den Genozid an dieser religiösen Minderheit der Jesiden durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Irak, geriet jedoch in Gefangenschaft und wurde mehrfach versklavt, vergewaltigt und gefoltert. Nach ihrer Flucht kam sie durch ein Programm des Landes Baden-Württemberg, das 1.000 traumatisierten Frauen und Kindern aus dem Nordirak die Chance auf psychotherapeutische Betreuung und einen neuen Anfang gab, nach Deutschland. Als erste »Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel« der Vereinten Nationen kämpft sie seither für die Anerkennung des Völkermordes an den Jesiden und spricht insbesondere über die Situation der Frauen in Gefangenschaft.
Mit Birgit Langhammer, NDR Info, sprach Murad mit leiser Stimme und bewahrte dabei stets ernste Gesichtszüge. Das Leben im Exil sei ohne Familie sehr schwer, sagte sie. Insgesamt verlor Nadia Murad 18 Familienmitglieder durch den IS. Ihr werde hier zwar geholfen, das Geschehene zu vergessen, doch viele Verwandte seien noch in den Händen der Terroristen. Mehrere Tausend jesidische Frauen und Mädchen würden noch immer vermisst. Während der schrittweisen Befreiung der vom IS besetzten Stadt Mossul seien die gefangenen Frauen an andere Orte verschleppt worden. Kontakt zu den entführten Frauen hätte es nie gegeben.
Woher dieser Hass auf die Jesiden komme, wollte Langhammer wissen. Für den IS seien die Jesiden Ungläubige, deshalb sei es legitim, Männer und Jungen zu töten und Frauen zu versklaven. Aber unter den Muslimen gebe es auch gute Menschen, die andere unterstützen, meinte Murad. Nicht alle Muslime seien Terroristen. Und diese habe sie immer wieder aufgefordert, sich gegen die Islamisten zu stellen, denn alle müssten doch zum richtigen Islam zurückkehren.
In über 24 Ländern war Murad mit ihrer Botschaft bislang unterwegs, sprach vor Vertretern der UN und der EU, wurde mit Preisen ausgezeichnet. »Man hört Ihnen zu«, sagte Langhammer, »und was passiert dann?« Es sei ermüdend und schwierig, entgegnete Murad. Sie wünsche sich, dass sich die internationale Gemeinschaft um Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten in deren Heimatländern kümmere. Aber bislang sei nichts passiert. Kein IS-Anhänger sei vor Gericht gestellt worden, keiner würde verfolgt. Dabei gebe es sehr viele Beweise. 
Dieses Engagement müsse doch viel Kraft kosten, fragte Langhammer. »Das ist Krieg, das ist Vernichtung. Man verliert alles«, sagte Murad. »Das hat mit Kraft nicht viel zu tun.« Sie spreche öffentlich, weil sie verhindern wolle, dass die Jesiden zerstört werden und verschwinden. Und: Es sei wichtig, dass darüber gesprochen und Zeugnis abgelegt werde. »Zeugen sind wichtig.« Manchmal hielt die junge Frau inne und schien mit den Tränen zu kämpfen. »Es ist nicht einfach, vor der Öffentlichkeit darüber zu reden.«
Und wie könne Gerechtigkeit wieder hergestellt werden? Die Staatengemeinschaft müsse dafür sorgen, dass Minderheiten in ihren Herkunftsländer gleichberechtigt leben können, forderte sie. Auch müsse es ein Verfahren gegen den IS geben. »Wenn sie angeklagt werden, wird das Recht wieder zurückkehren.« Der Terrorismus müsse bekämpft und zurückgedrängt werden. Was im Irak und Syrien passiert sei, dürfe sich nirgendwo wiederholen.
Ob sie Angst um ihr Leben habe? »Sie haben schon alles mit mir gemacht. Dagegen ist der Tod das Einfachste.«    
Auch im Kaisersaal des Hamburger Rathauses sprach Nadia Murad auf Einladung der Körber-Stiftung über ihr persönliches Schicksal, über die Situation der Jesiden im Nordirak, deren Verhältnis zu den Kurden sowie über Lösungsansätze, um ihrem Volk im Irak zu einer sicheren Existenz zu verhelfen. 

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