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Jugendliche setzen sich für interreligiöse Verständigung ein

By   /   July 17, 2017  /   Comments Off on Jugendliche setzen sich für interreligiöse Verständigung ein

MIL OSI – Source: Koerber Stiftung – Press Release/Statement

Headline: Jugendliche setzen sich für interreligiöse Verständigung ein

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, die Positionierung der Kirche gegenüber Diktaturen, die Verfolgung Andersgläubiger im Nationalsozialismus, Migration und Fluchterfahrung. Dies waren zentrale Themen, mit denen sich Jugendliche im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2016/17 zum Ausschreibungsthema »Gott und die Welt. Religion macht Geschichte« auseinandersetzten. Ausgehend von ihrem historischen Gegenstand beziehen viele Schülerinnen und Schüler ihre Rechercheergebnisse auch auf die Gegenwart und machen auf aktuelle Formen von Ausgrenzung aufgrund des Glaubens oder der Religionszugehörigkeit aufmerksam.
Viele Teilnehmende plädieren in ihren Arbeiten dafür, die Vergangenheit öffentlich aufzuarbeiten und zu diskutieren, um Lehren aus der Geschichte zu ziehen. »Erinnerung ist anstrengend. Diese Anstrengung lohnt sich jedoch, um ein Gefühl für Unrecht zu entwickeln sowie  Demokratiefähigkeit und Zivilcourage zu stärken«, schlussfolgert Judith aus Wittlich in ihrer Arbeit zur lokalen Geschichte einer jüdischen Familie während des Nationalsozialismus. Die Jugendlichen stellen fest, dass sich auch in der heutigen Gesellschaft ›Anders sein‹ oftmals durch die Religionszugehörigkeit oder einer Zuschreibung definiert.
Beispielsweise zieht Sophie aus München nach ihren Recherchen zur sogenannten Hexenverfolgung die Bilanz: »Auch heute noch werden unter dem Deckmantel der Religion Menschen als mindere Wesen ausgegrenzt und entwürdigt. Die Angst vor dem ›Anders sein‹ ist weiterhin geblieben. Deshalb ist die Auseinandersetzung mit dem Glauben anderer Menschen und der Vergangenheit so wichtig – damit Religion keine traurige Geschichte mehr schreibt.« Als eine heute besonders von Diskriminierung betroffene Gruppe identifizieren viele Jugendliche Muslime. In ihrem Wettbewerbsbeitrag zur Interpretation der sogenannten Türkenkriege vom 16. bis 20. Jahrhundert hebt Carina aus Münster hervor, dass die Ursachen der heutigen wachsenden Intoleranz gegenüber Muslimen in der Vorverurteilung, einer fehlenden Differenzierung zwischen Muslimen und Islamisten und der Angst vor Veränderungen liege. Darüber hinaus betonen viele Teilnehmende die notwendige Wachsamkeit gegenüber einer gesellschaftlichen Normalisierung von Antisemitismus.
Engagement im Alltag
Wie Toleranz und gesellschaftliches Miteinander im Alltag umgesetzt werden können, ist für die Schülerinnen und Schüler ebenfalls ein wichtiger Aspekt. »Religion und damit die Identität jedes einzelnen in einer Gesellschaft ist wichtig, wobei jeder die Religion des Anderen respektieren und bei sich die Fähigkeit erwecken muss, eigene, auch extreme Meinungen mit den Augen des anderen zu sehen, abzuwägen und gegebenenfalls zu relativieren. Das ist die Basis eines toleranten, friedlichen Miteinanders in unserer Gesellschaft«, betonen  Bjarne und Adrian aus Buxtehude nach ihren Recherchen zur Entwicklung der muslimischen Gemeinde im Großraum Hamburg seit den 1960er Jahren. Eine zehnköpfige Schülergruppe aus Hamburg appelliert in ihrer Arbeit zu Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg: »Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, dann können wir uns auch im Kleinen, also in der Schule oder in der Familie melden, wenn Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Herkunft beleidigt werden. Die Arbeit beim Geschichtswettbewerb hat uns nochmal die Augen geöffnet.«
Durch die Auseinandersetzung mit der historischen Perspektive von Glaube und Religion ziehen die Jugendlichen Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt und entwickeln ein gesellschaftliches Bewusstsein für aktuelle Fragen und Problemstellungen. Zugleich sprechen sie sich für einen offenen interreligiösen Dialog aus. Niclas aus Reutlingen kommt in seiner Arbeit über die islamische Gemeinde in seinem Wohnort zu dem Schluss: »Der Islam ist heute nach den beiden christlichen Konfessionen die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft Reutlingens. Ich finde, man kann durchaus sagen, dass die Muslime auf jeden Fall ein fester Bestandteil dieser Stadt sind. Für alle begann die Zugehörigkeit als sie sich integrierten und sie die Gesellschaft durch den interreligiösen Dialog bereicherten.«
Bundesweit beteiligten sich zum Rahmenthema »Gott und die Welt. Religion macht Geschichte« mehr als 5.000 Kinder und Jugendliche und reichten insgesamt 1.639 Beiträge ein.
Über den Geschichtswettbewerb
Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der mit bislang über 141.000 Teilnehmern und rund 31.500 Projekten größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen.
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