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Musikalisches Erinnern bei Demenz

By   /   November 1, 2017  /   Comments Off on Musikalisches Erinnern bei Demenz

MIL OSI – Source: Koerber Stiftung – Press Release/Statement

Headline: Musikalisches Erinnern bei Demenz

»Man braucht weder etwas über Musik zu wissen, noch besonders ‚musikalisch‘ zu sein, um Musik zu mögen und mit den tiefsten Schichten der Persönlichkeit auf sie zu reagieren.«, schreibt der Neurowissenschaftler und Psychiater Oliver Sacks (1933-2015). Er war einer der ersten, der die Wirksamkeit von Musiktherapie bei Menschen mit Demenz wissenschaftlich hinterfragt hat. Dass Musik die Sinne aktivieren kann, konnte er an seinen Patienten beobachten. In vielen Fallstudien fand er heraus, dass selbst bei Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium die Patienten Musik noch wahrnehmen, genießen und auf sie reagieren können. Pflegepersonal und pflegende Angehörige können dieses Phänomen bestätigen. So gibt es zum Beispiel Menschen mit Demenz, die im Laufe der Erkrankung ihre Sprache weitestgehend verloren haben, die aber in der Lage sind, ganze Lieder auswendig zu singen. Andere Betroffene, beschreibt Oliver Sacks, haben zwar ihr Ich-Bewusstsein verloren, trotzdem können sie nach wie vor Klavier spielen. Inzwischen ist die neurowissenschaftliche Forschung sogar noch einen Schritt weiter: Dass das Langzeit-Musikgedächtnis von Alzheimer-Patienten erstaunlich lange intakt und funktionsfähig bleibt, liegt an seiner Position im Gehirn. Denn das Gehirnareal, das die Forscher in zahlreichen Tests als Langzeit-Musikgedächtnis-Gebiet lokalisieren konnten, verliert auch bei fortgeschrittener Demenz weniger Nervenzellen als das übrige Gehirn, auch der Stoffwechsel funktioniert dort länger. Damit haben die Forscher erstmals anatomische Gründe für Erhalt des Musikgedächtnisses bei Alzheimer-Patienten aufgedeckt. Jörn-Henrik Jacobsen von der Universität Amsterdam hat die Forschung geleitet und freut sich über neue Impulse, die von dieser Studie ausgehen könnten: »Denn erst ein fundiertes Verständnis der komplexen Zusammenhänge könnte in Zukunft eine wirkliche therapeutische Nutzung von Musik bei der Patientenbetreuung ermöglichen.« Jörn-Henrik Jacobsen wird am 13. November bei der Veranstaltung »Macht Musik schlau?« im KörberForum seine Forschungsergebnisse vorstellen. Im Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Arne Stollberg, Humboldt Universität zu Berlin, wird auch die historische Entwicklung der »Musik als Medizin« in den Blick genommen. 

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