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Diskurs über “Kunst auf Lager” – Veranstaltungsdokumentation

By   /   November 22, 2017  /   Comments Off on Diskurs über “Kunst auf Lager” – Veranstaltungsdokumentation

MIL OSI – Source: Volkswagen Stiftung – Press Release/Statement

Headline: Diskurs über “Kunst auf Lager” – Veranstaltungsdokumentation

In Session 4 “Chancen durch Wissenszuwachs“ wurden sechs verschiedene Projekte vorgestellt. Antje-Fee Köllermann vom Niedersächsischen Landesmuseum (Hannover) berichtete über die offene Werkstatt der Goldenen Tafel als gelungenen Versuch, neues Publikum zu gewinnen. Der Betrachter könne hier Aug in Aug mit dem einzelnen Objekt aus dem Jahr 1400 stehen. In der Folge experimentiere man mit Patenschaftsmodellen an einzelnen Altarfiguren, was zu einer neuen, vertieften Bindung zwischen Publikum und Museum führe.
Die Restaurierung des sogenannten Damaskuszimmers im Museum für Völkerkunde stellte Anke Scharrahs (Dresden) vor. 80 m² verbräunte Leim- und Firnisschichten dieser hölzernen Vertäfelung aus dem Jahre 1810 wurden und werden gereinigt – seitdem drei restaurierte Wände aufgestellt sind, sei das Museum ein Ort der Heimat für syrische Flüchtlinge geworden. Gleichzeitig arbeiteten zwei syrische Kolleginnen im Projekt mit: Ziel sei ein späterer Wissensexport in den Nahen Osten.
Dass Restaurierung manchmal vor dem vollständigen Verschwinden bewahrt, führte Johanna Eder (Stuttgart) vom Staatlichen Museum für Naturkunde aus: Die bis zu 200 Mio. Jahre alten Fischsaurierfossilien würden durch den ausblühenden Schwefel langsam zerstört. 25 Objekte seien befallen, die ersten sieben seien jetzt restauriert und könnten im Depot bei minus 20 Grad vom Publikum besichtigt werden.
Wie auch die kulturwissenschaftliche Forschung durch die Restaurierung einen neuen Schub bekommen hat, erläuterte Julia Radtke (Dresden) am Beispiel der “gläsernen Menschen“ der Stiftung Deutsches Hygienemuseum. “Gläserne Figuren“ sind eigentlich aus Zellulosekunststoff und wurden ab 1930 von den Dresdener Lehrmittelwerkstatt zur Gesundheitsaufklärung hergestellt, wurden aber – den Wirren des Nationalsozialismus, des Weltkrieges und der Nachkriegszeit zum Trotz – zu Ausstellungsikonen des 20. Jahrhunderts.
Dass auch die Restaurierungsforschung selbst durch Projekte einen neuen Schub bekommen kann, zeigte Gisela Geiger vom Museum Penzberg. Hinterglasmalerei war zuvornicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Im Penzberger Museum aber befinden sich 14 Hinterglasbilder des Expressionisten Heinrich Campendonk, der über 40 Jahre mit wechselnden Bindemitteln und Pigmenten Glasmalerei betrieben hat – Restauratoren und Chemiker müssten, so Geiger, hier eng zusammenarbeiten.
Ein besonderes Beispiel ihrer Förderung stellte Verena Gantner von der Wüstenrot Stiftung (Ludwigsburg) vor, deren besonderer Fokus auf den Kulturgütern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegt. Diese sind besonders gefährdet sind, da ihre Erhaltungswürdigkeit oftmals noch in Frage steht: die Restaurierung Dietmar Roths sogenannter “Hegelwürste“, die 20-bändige Suhrkamp-Taschenbuchausgabe von Hegel, “zerkleinert, mit Gewürzen und Schmalz angereichert in Wurstdärmen an Holzgestell“, wie der Titel dieses Kunstwerks von 1974 offiziell heißt. Das Gemisch von Papier und Schmalz musste dringend konserviert werden.

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