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Waldorfschule Everswinkel – Schule für Lebensfreude

By   /   December 7, 2017  /   Comments Off on Waldorfschule Everswinkel – Schule für Lebensfreude

MIL OSI – Source: GLS Bank – Press Release/Statement

Headline: Waldorfschule Everswinkel – Schule für Lebensfreude

Waldorfschule Everswinkel – Kinder hüten Schafe, Jugendliche ziehen Pflanzen und bauen ihr Traumhaus. Besuch in einer außergewöhnlichen Schule.
„Machen wir einen Rundgang!“, sagt Jürgen Günther. Einiges hat der Schulvorstand zu zeigen. Stolz ist er auf die Schulgebäude, die Werkstatt, den Stall, den Kindergarten. Wir befinden uns in Everswinkel im Münsterland. Wer das Gelände betritt, fühlt sich wie in einem kleinen Dorf. Die zehn teils verwinkelten Gebäude sind großzügig verteilt, jedes ist anders. Die Außenwände sind in warmem Rosa, Blau und Gelb gehalten. Drumherum sorgen Feld und Flur für Idyll.
Die Waldorfschule Everswinkel wurde buchstäblich auf der grünen Wiese gebaut. „Mitte der 90iger Jahre war hier nichts“, sagt Günther. In Münster war die Waldorfschule zu klein geworden. Also begannen einige Eltern mit der Suche. In Everswinkel wurden sie schließlich fündig und schufen aus dem Nichts eine Schule für über 270 Kinder und Jugendliche, die hier die 1. bis zur 11. Klasse besuchen. Kinder mit Behinderungen gehören zum Schulbild selbstverständlich dazu, bei meinem Rundgang fallen sie mir häufig gar nicht auf. „Heute heißt das inklusiv, früher war das integrativ. Wir haben das einfach immer schon gemacht“, sagt Petra Kottusch (Mehr über Waldorfpädagogik hier).

Themenerarbeitung in „Epochen“
Wir beginnen unseren Rundgang mitten in einer Großbaustelle. In der 3. Klasse entstehen gerade Baumhäuser, ein Tempel und ein Gewölbe umgeben von Wasser. „Meins hat sogar einen Wasserfall“, erklärt Amos. Es ist Hausepoche, jeder soll sein Traumhaus bauen. Lehrerin Anka Müller-Tiburtius war überrascht von der Vorstellungskraft der Kinder: „Jeder hatte sofort ein Bild im Kopf.“ Wenn die Modelle fertig sind, wird die Klasse mit richtigen Handwerkern ein zwei Meter hohes Kinderhaus bauen. In den „Epochen“ nimmt sich eine Klasse jeden Tag eine Doppelstunde, um ein Fach oder Thema über mehrere Wochen zu bearbeiten.
Kinder können hier selbst ernten
Nebenan ist der Schulgarten. Karl Grünewald in Latzhosen und Gummistiefeln spornt hier regelmäßig die Schüler*innen der 6. Klasse an, die sich in Gruppen aufteilen und dann um ein eigenes Beet kümmern. Das heißt auch viel Unkraut jäten, damit Salate und Gemüse gut wachsen können. „Natürlich verlieren sie daran auch mal die Lust. Aber das muss sein, wir spritzen ja nichts“, sagt Karl Grünewald. Dafür können die Kinder ihre Ernte mit nach Hause nehmen. Oder sie wird direkt in der Mensa verarbeitet. In der Küche ist gerade eine große Schüssel Spinat angekommen.
Schafe, Hühner, Pferde: Landwirtschaft verstehen
Lernen mit allen Sinnen, das ist hier in der Waldorfschule Everswinkel ganz normal. Wir betreten den Stall, in dem die Schafe blöken, während Kinder, manche barfuß, manche in Gummistiefeln, fröhlich frisches Stroh verteilen und ausmisten. Aus dem Hühnerstall werden Eier geholt, die Rücken der Pferde gebürstet. Neugierig schauen sie in die Schwalbennester an den Decken, aus denen sich kleine Hälse nach Futter recken. Lothar Schültken-Schnock erklärt, dass schon bei der Schulgründung die Landwirtschaft mitgedacht wurde. In der 9. Klasse machen alle auch ein Landwirtschaftspraktikum „Damit die Kinder sehen, was uns ernährt.“ Der Lehrer will in den Kindern Keime pflanzen. „Was daraus wird, liegt immer an den Menschen selbst.“ Bei Josefine ist der Keim sichtlich gesprossen, sie strahlt und mischt sich unter die Herde. Ihre Integrationshelferin erzählt, Josefine, die das Down-Syndrom hat, werde von den Tieren magisch angezogen.

In jeder Klasse in Everswinkel ist mindestens ein Viertel der Kinder mit besonderem Förderbedarf. Wobei diese Bezeichnungen hier an der Waldorfschule nicht recht passen. „Irgendwie haben wir doch alle Förderbedarf“, wirft Silke Günther ein. Hauptsache, sie sind darauf eingestellt. Neben den Klassenräumen stehen bei Bedarf kleine Räume zur Verfügung. Oder es können kleine Gruppen gebildet werden.
Diversität als Normalität
Tatsächlich hatten die Eltern bei der Gründung von Anfang an gesagt, dass sie eine Schule für alle wollen. Das ist so selbstverständlich, dass wir das beim Rundgang häufig gar nicht merken. „Niemand wird hier ausgegrenzt“, sagt Jürgen Günther. Das ist tatsächlich spürbar, weil hier alle einfach miteinander eine Gemeinschaft bilden. Darum fällt auch niemand auf oder wirkt irgendwie anders.

Gesundes Lernen mit Lebensfreude
Es hat auch damit zu tun, wie sie jede*n Einzelnen hier sehen. „Wir wollen keine einspurigen Menschen, die nur Wissen abrufen und auf Karriere aus sind. Wir wollen gefestigte Persönlichkeiten“, sagt Silke Günther. Jedes Kind wolle lernen, aber der Weg sei eben unterschiedlich. Das hat ihr auch ein Mädchen mit Legasthenie gezeigt, das es immer wieder versucht hat. Als es darum ging, Geschichten zu schreiben, schrieb das Mädchen einen eigenen Text und schaffte es, ihn vorzutragen. „Wenn man sich wohlfühlt, lernt man viel besser, als wenn man an den Erwartungen verzweifelt“, sagt Silke Günther. Ihr Ziel ist es, Lebensfreude zu wecken. Jürgen Günther ergänzt, dass es nicht darauf ankomme, möglichst schnell möglichst alles zu lernen: „Unsere Kinder sollen gesund groß werden. Dafür lassen wir ihnen die nötige Zeit“.
Förderung individueller Fähigkeiten und Interessen
Weiter geht’s, in die Mittelstufe. Dort berichten sie gerade von ihren Praktika. 40 Mitschüler*innen und Eltern lauschen Caroline, die über komplexe Computersimulationen berichtet, die sie programmiert hat. Auch 3D-Modelle hat die 15-Jährige erstellt. Am liebsten will sie das später beruflich machen. Julian hat es in einem Autohaus ebenfalls so gut gefallen, dass er dort eine Lehre anstrebt.
Viele Absolventen gehen nach der 11. Klasse zu den naheliegenden Gymnasien oder Berufskollegs. Schon in der Mittelstufe sollen sich die Jugendlichen mit ihren Zielen und Träumen, ihren Stärken und Schwierigkeiten auseinandersetzen.
Wir verlassen den Saal, gehen durch den Flur und in den Raum gegenüber. Plötzlich stehen wir neben einem richtigen Orchester. Streicher, Bläser, Flöten, ein Mädchen am Klavier. Vorne mit Cello zählt der Musiklehrer an und wir hören die Klänge von Sinatras „Stranger in the night“. Später werden wir noch eine vierstimme Flötengruppe hören. „Wenn Waldorfschüler malen, zeichnen, plastizieren oder musizieren, geht es daher vor allem um die Schulung differenzierter Wahrnehmungen und die Entfaltung ihres schöpferischen Potenzials“, schreibt der Bund der Freien Waldorfschulen.

Nach dem langen Programm erlauben wir uns eine Stärkung in der Mensa. Judi Hussein und sein Team, darunter auch zwei Schüler, kochen bis zu 200 frische Gerichte am Tag. Heute haben sie Nudeln, Fisch und eine Gemüsesuppe zubereitet, am Salatbuffet liegt Wassermelone. Frisch, einfach, lecker ist Husseins Devise. Genauso schmeckt es auch.
 Waldorfschule Everswinkel – Vielseitiges Betreuungsangebot
Auf höchstem Niveau ist auch das Betreuungsangebot. Neben dem Hort wird ein offener und ein gebundener Ganztag angeboten, außerdem eine Freizeitschule, für alle, die nur auf ihren Bus warten. Als wir in den Hort eintreten, entdeckt uns Vivian, einer der Schüler. Er nimmt uns sofort mit durch die Räume und zeigt uns alles: „Hier können wir Buden bauen, hier sind Spiele, hier malen wir“. Dieser 9-Jährige ist aufgeweckt, quicklebendig und kontaktfreudig. Wir sind kurz überrascht, dann aber auch wieder nicht. Denn er passt genau in diese Umgebung. In diese Schule, die aus Menschen echte Persönlichkeiten macht.
Fotos Waldorfschule Everswinkel: Rouven Kasten
Webseite der Waldorfschule Everswinkel
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