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“Wir müssen reden”: Ein Plädoyer für eine bessere Wissenschaftskommunikation

By   /   January 12, 2018  /   Comments Off on “Wir müssen reden”: Ein Plädoyer für eine bessere Wissenschaftskommunikation

MIL OSI – Source: Volkswagen Stiftung – Press Release/Statement

Headline: “Wir müssen reden”: Ein Plädoyer für eine bessere Wissenschaftskommunikation

Womöglich gibt es ja gute Gründe für die Wissenschaft, sich einer Popularisierung um jeden Preis zu entziehen?
Krull: Was wir lange übersehen haben ist, dass Wissenschaft die Gesellschaft nicht nur zur Finanzierung braucht, sondern dass eine Verzahnung auch dem Erkenntnisfortschritt dient und damit der Weiterentwicklung der Forschung. Wir sehen in den USA gerade, was geschieht, wenn in der Gesellschaft eine Kluft gegenüber den Eliten entsteht. Wir diskutieren eine “Vertrauenskrise der Wissenschaft”, doch eigentlich handelt es sich um ein Auseinanderfallen der Gesellschaft in verschiedene Öffentlichkeiten.
Aber in Deutschland zeigen Umfragen doch regelmäßig, dass die Menschen der Wissenschaft einen enormen Vertrauensvorschuss geben.
Vogel: Die Zahlen zeigen, dass zwei Drittel der Bevölkerung großes Interesse daran haben, mit Wissenschaft in Berührung zu kommen. Die Zahlen sagen aber auch, dass zwei Drittel nicht wissen, wo sie sich dieses Wissen abholen können. Ein Hunger für Wissenschaft ist da, aber wir stillen ihn nicht.
Krull: Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler denken immer noch: Dafür haben wir die Medien. Wissenschaftsjournalisten sind aber nicht die Sprachrohre der Wissenschaft, sondern ihre kritischen Beobachter und Begleiter.
Vogel: Wir sollten hoffen, dass es sich um eine Generationenfrage handelt, die sich erledigt. In der Tat haben viele der jungen Leute, die bei uns anfangen, überhaupt keine Scheu mehr, Wissenschaftskommunikation als Teil ihrer Aufgabe zu sehen.
Krull: Aber auch die jungen Leute bekommen mit Blick auf ihre Karriere ständig den Rat, sich nicht an der falschen Stelle zu engagieren. Hinzu kommt ein Verständnisproblem zwischen Forscherinnen und Forschern  und der Gesellschaft, das im System Wissenschaft angelegt ist. In vielen Fachgebieten wird nur noch auf Englisch publiziert. In der Molekularbiologie und in vergleichbaren Disziplinen findet gar keine Begriffsbildung mehr auf Deutsch statt, den Forschern fehlen im Austausch mit der Gesellschaft schlicht die Worte.
Das Kernproblem bei der Wissenschaftskommunikation ist die Wissenschaft selbst?
Krull: Das Problem ist, wie wir die Autonomie von Wissenschaft heute leben. Ein Großteil der Spielräume, die die Wissenschaft erhalten hat, geht wieder verloren, weil wir sie einer Vermessung unterwerfen, so dass nur noch Indikatoren zählen. Wir müssen den Mut haben zu sagen: Die Kernaufgabe einer Universität ist nicht das Verfassen wissenschaftlicher Artikel, die eine Million pro Seite kosten, sondern vor allem die kommende Generation für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft heranzubilden und sich gegenüber der Gesellschaft erklären zu können.
Herr Vogel, Sie beraten die Europäische Kommission als Vorsitzender der sogenannten “Open Science Policy Platform”. Was sagen Sie dort?
Vogel: Wir müssen zeigen, dass in einer Organisation exzellente Forschung und innovative Kommunikation zu besseren Leistungen führen. Dass sie sich nicht widersprechen, sondern einander positiv beeinflussen.

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