Stiftungen diskutieren über Integration von Flüchtlingen

MIL OSI – Source: Koerber Stiftung – Press Release/Statement

Headline: Stiftungen diskutieren über Integration von Flüchtlingen

Ziel des Workshops war es, eine Brücke zwischen den wissenschaftlichen Ergebnissen des SVR-Forschungsbereichs und der praxisbezogenen Stiftungsarbeit zu schlagen. Viele Stiftungen unterstützen auf verschiedenen Wegen die Integration von nach Deutschland kommenden Menschen. Damit leisten sie einen großen Beitrag zum Ankommen und somit zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Die Themen »Integration« und »Migration« bieten zugleich bekannte und neue Handlungsfelder in der Stiftungsarbeit.
In ihrer Begrüßung betonte Karin Haist, Bereich Alter und Demografie der Körber-Stiftung, vor allem die erfolgreiche und konstante Arbeit des Sachverständigenrats und des Forschungsbereichs in den vergangenen zehn Jahren. Sie habe sich ihre breite öffentliche Aufmerksamkeit durch ihre Qualität verdient. Anschließend führten Henriette Litta und David Schiefer vom SVR-Forschungsbereich in aktuelle Zahlen des Integrations- und Migrationsgeschehens in Deutschland ein.
In der vorgestellten qualitativen Studie »Wie gelingt Integration? Asylsuchende über ihre Lebenslagen und Teilhabeperspektiven in Deutschland« wurde der Schwerpunkt auf die Perspektive von Geflüchteten gelegt, die in der öffentlichen Debatte und Wahrnehmung oft unterrepräsentiert ist. Die repräsentativen Ergebnisse zeigen, dass für Geflüchtete in der frühen Phase ihres Aufenthalts das Leben im Herkunftsland von großer Bedeutung ist. Viele Erfahrungen und Erlebnisse werden in Bezug dazu gesetzt.
Weitere wichtige Themen sind neben Wohnen und Arbeit vor allem positive wie negative Erfahrungen bezüglich der sozialen Teilhabe. Wichtig ist hierbei die Qualität persönlicher Kontakte. Die Forscher identifizierten sechs Punkte, die für einen erfolgreichen Kontakt ausschlaggebend sind: Kontinuität, Augenhöhe, gemeinsame Themen und Ziele, die ein Wir-Gefühl erzeugen, ein Klima der Offenheit, Reziprozität im Sinne von »echter Teilhabe« und gemeinsame Aktivitäten, um die Sprachbarriere zu überwinden.
Auch die eigene Bleibeperspektive sowie das Wohlergehen der eigenen Familie sind wichtige Themen. Gerade integrationspolitisch fragwürdige Regelungen wie Unklarheiten im Aufenthaltsstatus und Einschränkungen im Familiennachzug würden integrationshemmend wirken, betonte Schiefer. Die Wichtigkeit von Familie für eine erfolgreiche Integration dürfe nicht unterschätzt werden.
Anschließend kamen die Teilnehmenden in der Synergiewerkstatt zusammen, um ihre Erfahrungen im kollegialen Umfeld zu teilen und wichtige Fragen, zu diskutieren. Wie kann Stiftungshandeln einen Beitrag zu einer nachhaltigen Integration von Geflüchteten leisten, ohne deren Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren? Wie können »echte« soziale Kontakte zwischen Geflüchteten und Einheimischen gefördert werden? Was können Stiftungen tun, um die Integration von Geflüchteten jenseits großer Metropolen zu erleichtern? Wie kann das Wissen über bereits bestehende Maßnahmen besser vermittelt werden? In drei Themenrunden zu »Integration im ländlichen Raum«, »Patenschaften und Ehrenamt« sowie »innovative Formate und Methoden« wurden Erfahrungen und Ideen ausgetauscht sowie Möglichkeiten und Grenzen der Stiftungsarbeit diskutiert.
Dem ländlichen Raum lässt sich aus Sicht der Stiftungsvertreterinnen und –vertreter ein grundsätzlich positives Zeugnis für die Integrationsmöglichkeiten ausstellen. Zwar gibt es große Diskrepanzen zwischen Kommunen, die sich zum Teil schon seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen und solchen, die noch am Anfang stehen. Grundsätzlich sind aber auch jenseits der Metropolen gute Rahmenbedingungen und vielen Chancen gegeben. Gerade die Möglichkeiten von dezentraler Unterbringung durch Verfügbarkeit von Wohnraum, gute Versorgung mit Schul- und Kita-Plätzen sowieso die Bündelung von Angeboten und persönliche Ansprache machen das Ankommen in kleineren Städten zum Teil leichter und bieten sogar Vorteile gegenüber größeren Städten.
Allerdings ist die Ankunft von Geflüchteten auch immer ein Brennglas für bereits bestehende Missstände, wie zum Beispiel Mängeln in Infrastruktur, ÖPNV oder Internetversorgung. Entscheidend ist hier die Vermeidung von Insellösungen, sodass nötige Veränderungen der gesamten Bevölkerung zu Gute kommen. Hier können Stiftungen mit ihrer Expertise vermittelnd und beratend auftreten.
In der Themenrunde Patenschaften und Ehrenamt wurde weniger optimistisch diskutiert. Trotz großem ehrenamtlichen Engagement und vielen richtigen Ansätzen gibt nach wie vor viel Handlungsbedarf vor allem bei den Themen »Wohnen« und »Integrationskurse«. Betont wurden die immer noch wichtigen, unterstützenden Funktionen, die die vielen ehrenamtlichen Patinnen und Paten übernehmen.
Im letzten Themenblock zu innovativen Methoden und Formaten wurde es bunt. Über gute Ideen und kreative Formate wie dem »ersten gedruckten E-Book«, Methoden des Wissens und Ergebnistransfers bis hin zu Mikro-Projektförderungen wurde aus dem Experimentierkasten der Stiftungen berichtet. Kritisch angemerkt wurde, dass Digitalisierung bei all ihren Chancen vor allem durch die nötige Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit viele Ressourcen und Know How voraussetze. Auch stellten sich die Anwesenden selbstkritisch die Frage, wieviel Innovation denn überhaupt nötig sei, um Stiftungsarbeit sinnvoll zu gestalten.
Zum Ende des 5. Stiftungsworkshops des Forschungsbereichs des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration und der Körber-Stiftung blieb Karin Haist so auch nur noch, die über die Jahre gewachsene Kultur der Offenheit und des kollegialen Austauschs wertzuschätzen. Wenn es um erfolgreiche Integrationsarbeit gehe, werde sich nicht nur auf die Schultern geklopft, sondern selbstkritisch und ehrlich über Probleme und Misserfolge gesprochen und gemeinsam an kreativen Lösungen gearbeitet.