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Preisträger des russischen Geschichtswettbewerbs in Moskau ausgezeichnet

By   /   May 3, 2018  /   Comments Off on Preisträger des russischen Geschichtswettbewerbs in Moskau ausgezeichnet

Source: Koerber Stiftung

Knapp 1.800 Beiträge aus rund 80 Regionen Russlands waren in der aktuellen Wettbewerbsrunde bei MEMORIAL International eingegangen. Auch in diesem Jahr standen Forschungsarbeiten zur biografischen Geschichte im Mittelpunkt der Einsendungen. Das Themenspektrum der Schülerinnen und Schüler umfasste dabei das gesamte 20. Jahrhundert: Neben Arbeiten zu persönlichen Erinnerungen an die Russische Revolution und dem Beginn der sogenannten »neuen Zeit« in den 1920er Jahren wurden auch Beiträge zur Leningrad-Blockade während des Zweiten Weltkriegs oder den Jahren der Entstalinisierung in den 60er Jahren ausgezeichnet. Einen der drei ersten Preise erhielt eine Forschungsarbeit zum Einsatz sowjetischer Soldaten im Afghanistan- Krieg, die eine Schülerin aus dem Kreis Archangelsk verfasst hatte.
Zahlreiche Laudatoren, unter ihnen die bekannte russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, der Botschafter der EU in Russland, Markus Ederer, der deutsche Bundestagsabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff und der Vorsitzende des Rates für die Menschenrechte beim Präsidenten Russlands, Michail Fedotov, würdigten die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sowie die ehrenamtliche Arbeit der begleitenden Lehrer. Michail Fedotov erinnerte in seiner Ansprache auch daran, wie sehr der im Dezember 2017 verstorbene Mitbegründer und langjährige Vorsitzende von MEMORIAL, Arsenij Roginskij, mit dem Wettbewerb verbunden war. Seit 19 Jahren war es diesmal die erste Runde, in der Roginskij die Wettbewerbsbeiträge nicht selbst lesen und mit bewerten konnte.
Viele der Reden hoben die Bedeutung eigenständiger, kritischer Erforschung von Regional- und Familiengeschichte durch junge Erwachsene in Zeiten der Renationalisierung von Geschichte hervor. Patriotismus an sich sei nichts Schlechtes, betonte etwa Natalja Solzhenitsyna, Witwe des Schriftstellers Alexander Solzhenitsyn und Vorsitzende der gleichnamigen Stiftung, aber sie wünsche sich sehr, dass der russische Geschichtswettbewerb dazu beitrage, die Zahl »denkender Patrioten« in Russland zu steigern.
Irina Scherbakowa, Vorsitzende des Organisationskomitees und langjährige Leiterin des traditionsreichen Geschichtswettbewerbs, dankte am Ende der Veranstaltung allen Partnern und Unterstützern des Wettbewerbs und zeigte sich erleichtert, dass die Preisverleihung in diesem Jahr ohne Störungen von außen durchgeführt werden konnte. Vor zwei Jahren hatten nationalistische Aktivisten die Gäste der Preisverleihung beschimpft und angegriffen. MEMORIAL hat seither die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs verschärfen müssen.
Auch in diesem Jahr sind wieder Preisträger aus Russland eingeladen, am internationalen EUSTORY-Summit, dem Preisträgerprogramm der Körber-Stiftung und ihrer Partner, teilzunehmen. Für einige der 43 jetzt in Moskau Ausgezeichneten steht – im Falle einer erfolgreichen Bewerbung –  bis Ende des Jahres daher noch eine Reise nach Berlin auf ihrer Agenda. Dort werden sie mit über einhundert weitern Preisträgern aus ganz Europa über die Bedeutung der Vergangenheit für die europäische Gegenwart diskutieren.Der russische Geschichtswettbewerb von MEMORIAL International wurde 1999 gegründet und findet seither jährlich statt. Er zählte zu den Gründungsmitgliedern des EUSTORY- Netzwerks, das 2001 von der Körber-Stiftung ins Leben gerufen wurde und das mittlerweile aktive Geschichtswettbewerbe in über 20 Ländern Europas umfasst. Seit Gründung des russischen Wettbewerbs haben sich rund 40.000 Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Land mit ihren Forschungsarbeiten daran beteiligt. Der Wettbewerb wird aus Deutschland von der Stiftung EVZ, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Körber-Stiftung unterstützt. Aber auch in Russland hat das Projekt wichtige Partner: So finanziert die Michail-Prochorov-Stiftung seit einigen Jahren nicht nur Universitätsstipendien für die Erstpreisträger, sondern unterstützt auch den Wettbewerb insgesamt als Hauptförderin. Die Unterstützung aus der russischen Zivilgesellschaft ist für MEMORIAL International noch wichtiger geworden, seitdem die Organisation Ende 2016 vom russischen Justizministerium in die Liste der sogenannten »ausländischen Agenten« aufgenommen wurde.Mehr über EUSTORYWeitere Informationen zum russischen Geschichtswettbewerb in Englisch und Russisch 

MIL OSI

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