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Das ist unsere Zeit: Feminismus wird Programm!

By   /   September 14, 2018  /   Comments Off on Das ist unsere Zeit: Feminismus wird Programm!

Source: Bundestag – BÜNDNIS DIE GRÜNEN BUNDESPARTEI

Die Bundesfrauenkonferenz fand am 7. und 8. September 2018 in Leipzig statt. Foto: © gruene.de
In Leipzig diskutierten am Wochenende auf der Bundesfrauenkonferenz über 250 engagierte grüne Frauen gemeinsam mit Vertreterinnen aus Politik, Verbänden und Zivilgesellschaft über aktuelle feministische Positionen. Die Ergebnisse dienen als Impulse für das neue grüne Grundsatzprogramm. Erstmals verliehen wurde außerdem der grün-feministische Preis „Green Pussyhat“.
14.09.2018

Der Andrang zur grün-feministischen Konferenz war riesig. Über 250 interessierte Frauen, grüne und nicht-grüne, „Altfeministinnen“ und „Netzfeministinnen“, Frauenpolitikerinnen und Genderstudies-Studierende fanden sich schließlich in Leipzig zusammen, um unter dem Motto “Das ist unsere Zeit, Feminismus wird Programm” gemeinsam über die feministischen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu diskutieren. Ziel der Konferenz war es, feministische Positionen mit grünen und externen Frauen zu diskutieren und feministische Ansätze für das neue Grundsatzprogramm zusammen zu tragen.
Und zu diskutieren gab es genug! „Gerade in Zeiten, wo rassistische Übergriffe wieder zunehmen, wo Frauen Selbstbestimmung abgesprochen und tradierte Geschlechterrollen wieder gefordert werden, braucht es einen solidarischen und inklusiven Feminismus, der klare Positionen bezieht.“ betonte Gesine Agena in ihrer Begrüßungsrede. Christin Melcher, Landesvorstandssprecherin der GRÜNEN Sachsen ergänzte, dass es gerade angesichts der rassistischen Übergriffe in Chemnitz die Aufgabe der GRÜNEN sei, klare Kante gegen Rechts zu zeigen.
Welchen Feminismus wollen wir?
Diese Thematik griffen auch Claudia Roth und die Rapperin Sookee in ihrem Gespräch auf. Beide berichteten über Hassmails und Übergriffe, die sich explosionsartig erhöhten, wenn sie sich als Personen des Öffentlichen Lebens gegen Sexismus und Rassismus äußerten. Aber aufgeben oder das Engagement zurückzudrehen kommt für beide nicht Frage – gut gelaunt bestärkten sie nicht nur sich sondern auch das Publikum. Beide plädierten gegen Maulkörbe und Sprechverbote. Gleichzeitig forderten sie alle auf, sexistischen und rassistischen Aussagen stets laut und mutig zu widersprechen und sich dabei gegenseitig zu unterstützen.
Weiter ging es mit einem hochkarätigen Podium unter der Leitung von Barbara Unmüßig, das sich der Frage „Welchen Feminismus wollen wir?“ widmete. Viel drehte sich dabei um den Begriff der Intersektionalität, also der Verschränkung und wechselseitigen Beeinflussung mehrerer Diskriminierungsarten wie Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung usw.. Die Wissenschaftlerin Ilse Lenz riet, dabei immer analytisch zu bleiben und sehr genau hin zu schauen, um welche Diskrininierungen es sich handle. Die Journalistin Charlotte Wiedemann betonte, dass man sehr aufpassen müsse, dass die Diskussion nicht in ein Konzept münde, das nicht mehr anschlussfähig an die gesellschaftliche Debatte sei. Buchautorin Kübra Gümüsay wies darauf hin, dass feministisches Handeln immer Kompromisse mit der Realität eingehen müsse. Auf ihr Kopftuch angesprochen, meinte sie, es sei ein Irrglauben zu meinen, eine Frau werde plötzlich akzeptiert, nur weil sie ihr Kopftuch ablege. Sie trage es wegen der spirituellen Bedeutung und bedauerte, oft auf dieses Thema reduziert zu werden.
Gesine Agena wies darauf hin, dass auch in der grünen Partei und unter grünen Feministinnen viel und kontrovers diskutiert werden müsse, um zu den besten Lösungen zu gelangen. Diese Debatten, die in den Prozess zum neuen Grundsatzprogramm einfließen, sollten aber ohne Angriffe und Stigmatisierungen geführt werden. Sie warb dafür, Verbindendes statt Trennendes zu suchen. Denn wenn „Frauen – Banden bilden“, dann seien sie auch stark.
Preisverleihung: Green Pussyhat
Als Höhepunkt des Abends verlieh unsere Bundesvorsitzende Annalena Baerbock den ersten grün-feministischen Preis – die green Pussyhat. 100 Jahre nachdem die Frauen das Wahlrecht erkämpft hatten, gehe der Kampf immer noch weiter betonte Baerbock in ihrer Rede. Sie forderte die grünen Frauen auf, laut, feministisch und solidarisch zu sein und für Demokratie einzutreten. Stellvertretend für die lokale Ebene wurde die Leipziger Initiative Lebenszeiten e.V., die sich um Frauen und Mädchen in Krisensituationen kümmern, ausgezeichnet. Das bundesweit agierende Netzwerk um die Kampagne „Wer braucht Feminismus“ erhielt den Preis für ihren Einsatz, die Vielfalt des Feminismus bekannt und sichtbar zu machen. Der Blick über die Landesgrenzen fiel auf die mutigen Frauen in Polen, die sich der immer noch restriktiven Politik gegen die Selbstbestimmung der Frauen entgegengesetzt. Stellvertretend für die vielen Akteurinnen der Carny-Proteste wurde der Preis an die Berliner Gruppe Dziewuchy Berlin übergeben.
Mit einem großartigen Auftritt von Sookee startete dann der Vernetzungsabend, auf dem weiter diskutiert und Netzwerke geknüpft wurden.
Der Samstag startete mit externen feministischen Inputs zum Thema sexualisierter Gewalt mit Dr. Mithu Sanyal, zu Frauen, Flucht und Seenotrettung mit Armaghan Naghipour, zu feministischer Kapitalismuskritik Luise Meier und Intersektionalität mit Stephanie Lohaus.
All dies floss dann auch in die Infostationen zum Grundsatzprogramm ein und wurde in den zahlreichen Workshops vertieft. Kaum ein Thema, das dabei nicht behandelt wurde mit Externen Expertinnen, grünen Abgeordneten, Frauen aus Intiativen und grünen „Basismitgliedern“. Dabei blieben kritische Anmerkungen, harte Diskussionen und Meinungsunterschiede nicht außen vor und das war und ist gewollt, denn sie liefen fair und solidarisch. Damit wurde das Ziel der Konferenz erreicht: Antworten auf die neuen Herausforderungen zu suchen und zu debattieren.

MIL OSI

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